Das Arbeitsgericht Köln musste die Frage beantworten, ob eine ordentliche Kündigung gerechtfertigt ist, wenn eine Arbeitnehmerin sich nicht vor Arbeitsantritt krank meldet, sondern ihren Dienst in einem Zug antritt, sich bei der Vorgesetzten unwohl meldet und während des Dienstes die ersten sieben Stunden schläft. Im Vorfeld hatte der Arbeitgeber schon zwei Abmahnungen wegen "Verschlafens" ausgesprochen. Die Mitarbeiterin behauptete nach ihrer Kündigung, arbeitsunfähig gewesen zu sein.

Ihrer Kündigungsschutzklage wurde stattgegeben. Das Arbeitsgericht hat die Abmahnungen als nicht einschlägig angesehen. Um dies annehmen zu können, hätte der Arbeitgeber die Arbeitsfähigkeit der Klägerin beweisen müssen. Letztlich habe nur nur eine fehlerhafte Selbsteinschätzung der Klägerin und eine unterlassene nachträgliche Arbeitsunfähigkeitsmeldung vorgelegen. Für die fehlerhafte Selbsteinschätzung ihrer Arbeitsfähigkeit vor Dienstantritt wie auch für das Unterlassen einer nachträglichen Arbeitsunfähigkeitsmeldung fehlte es jedoch an einer einschlägigen Abmahnung. Das Arbeitsgericht hat hierbei offengelassen, ob es hierin überhaupt eine ausreichende Pflichtwidrigkeit der Arbeitnehmerin gesehen hätte.

Die Entscheidung zeigt einmal mehr, mit wie vielen juristischen Schwierigkeiten eine verhaltensbedingte Kündigung für die Arbeitgeberseite verbunden ist. Da es sehr häufig darauf ankommt, die Abmahnungen juristisch fehlerfrei formuliert und den Kern des Vorwurfes korrekt erfasst zu haben, sind Abmahnungen, die ohne juristische Begleitung formuliert worden sind, in einem Prozess sehr häufig angreifbar.

RA+FAArbR Oliver Klein